Das Internet in Europa

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Die Geschichte des Internet in Europa ist geprägt von den vorhergehenden Versuchen, ein eigenständiges, kontinentales Netzwerk, aufzubauen, das vom Prinzip höher entwickelt und inkompatibel zur US-amerikanischen Internet-Entwicklung sein sollte.

Das erste und zunächst kurze ARPANet-Gastspiel

In Europa wurden kurioserweise schon 1973 die ersten Institutionen an das schnell wachsende ARPANet mit transatlantischen Überseeleitungen angeschlossen. Es handelte sich dabei um das University College of London und das Royal Radar Establishment, zwei britische Einrichtungen. Diese wurden direkt an das ARPANet unabhängig voneinander angebunden und blieben lange Zeit auch die einzigen europäischen ARPANet-Standorte.

X.25 mit aller Gewalt

Die ersten ernstzunehmenden Entwicklungen auf dem Weg zu einem europäischen Computernetzwerk begannen erst Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1986 wurde von europäischen Universitäten und Forschungseinrichtungen eine Institution namens "RARE" ("Réseaux Associés pour la Recherche Européene") gegründet, die Pläne für ein pan-europäisches Computernetzwerk zu Forschungszwecken ausarbeiten und umsetzen sollte. Diese Planungen liefen in einem Projekt namens "COSINE" ("Cooperation for an Open Systems Interconnection Networking in Europe") zusammen.

Im Gegensatz zu den US-amerikanischen Entwicklungen favorisierten die COSINE-Entwickler eine Infrastruktur nach dem OSI-Schichtenmodell, das erheblich komplexer als das so genannte "DoD-Schichtenmodell" war, das im ARPANet und NSFNet verwendet wurde und zu dem in einer ISO-Norm festgelegt war. Ein entscheidender Schritt war die Protokollfamilie X.25, die Kommunikation zwischen Terminals und paketvermittelnden Netzwerken definiert. Als Ergebnis des COSINE-Projekts wurde 1993 das akademische Forschungsnetzwerk "EuropaNET" aufgebaut, das auch heute noch existiert.

Die ersten Querdenker

Erheblich früher, nämlich schon 1982, gab es die ersten Bewegungen in Europa, die das ARPANet-Modell für eine eher geeignete Basis eines Computernetzwerks hielten. In April 1982 gründeten Teus Hagen, Peter Collinson und Keld Simonsen, Mitglieder der EUUG ("European UNIX User's Group") ein eigenständiges UUCP-Netzwerk namens "EUnet" (European UNIX Network"), das bald darauf seinen Dienst aufnahm und den angeschlossenen EUnet-Mitgliedern den Nachrichtenaustausch per UUCP ermöglichte. Als ideelles Vorbild diente hierbei das US-amerikanische "UUNet".

Ein weiterer, zentraler Meilenstein für die Etablierung des neu entstandenen Internet war 1989 die Geburt des "RIPE" ("Réseaux IP Européens") in Amsterdam/Niederlande. Das RIPE verstand sich zunächst als zentrale administrative und technische Koordination für den Betrieb und die Weiterentwicklung eines europäischen IP-Netzwerks.

IP tritt den Siegeszug an

Die immer größer werdende Nachfrage nach einem europäischen Netzwerk und die neuartige Entwicklung von LAN-Netzwerken leiteten den Siegeszug des Internet Protokolls auch in Europa ein. Zwar wurden auch weiterhin Forschungen mit X.25 betrieben, das IP-Protokoll war aber flexibler und einfacher in zügig aufgebaute Netzwerke einsetzbar.

Die administrativen Aufgaben des RIPE, wie zum Beispiel die Vergabe von IP-Adressen und Routing-Objekten, die bis dato auf freiwilliger Basis von den RIPE-Gründern vorgenommen wurden, wurden 1992 der "RIPE NCC" ("RIPE Network Coordination Center") übergeben, einer gemeinsamen Institution des RIPE und RARE. Die Finanzierung des RIPE NCC wurde zunächst von RARE-Mitgliedern, dem EARN ("European Academic Research Network") und EUnet gesichert.

Ein erstes europaweites und nationenunabhängiges IP-Backbone wurde 1991 mit dem "Ebone" aufgebaut, das in verschiedenen europäischen Städten Knoten einrichtete und diese mit breitbandigen Standleitungen verband, gänzlich unabhängig vom NSFNet. Aus diesem Netzwerk entwickelten sich viele kleinere Provider, die nach und nach eigene, immer größer werdende Netzwerke bildeten. Zu diesem Zeitpunkt bildeten sich auch die ersten europäischen und nationalen Datenaustauschpunkte zwischen regional vorhandenen Netzwerken, um die interkontinentalen Anbindungen zu entlasten.

Beschleunigt wurde der Aufbau des Internet in Europa durch stetig neu entwickelte Protokolle und nicht zuletzt durch die Entwicklung des World Wide Web am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf/Schweiz. Im Jahre 1998 wird das RIPE NCC endgültig aus der Ehe zwischen dem RIPE und der TERENA ("Trans-European Research and Education Networking Association"), einer 1984 aus RARE und EARN gebildeten Nachfolgeorganisation, entlassen und fortan durch Mitgliedsbeiträge finanziert.

Das europäische Internet ist Ende der neunziger Jahre und Anfang des 21. Jahrhunderts geprägt vom massiven Einfluss der großen europäischen und amerikanischen Internet-Carrier und Telekommunikationskonzernen, die durch Firmenaufkäufe und starken Wettbewerb ihre "Claims" für die Zukunft sichern möchten.

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