Gopher

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Im Nachhinein betrachtet ist Gopher der erste, zaghafte Schritt in die Welt der strukturierten Information gewesen. Information konnte mit Gopher in einem einheitlichen System archiviert und recherchiert werden.

Was ist Gopher?

Gopher ist ein menügestütztes Informationssystem, das auf einem Client-Server-Prinzip basiert. Die Information liegt auf einem Gopher-Server, der mit einem Gopher-Client bedient werden kann. Die Intention bei der Entwicklung von Gopher war dabei, das Recherchieren so einfach wie möglich zu gestalten, ohne das der Benutzer irgendwelche Befehle von Hand eingeben muss.

Geschichtliches

Entwickelt wurde Gopher Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts von Paul Lindner und Mark McCahill an der University of Minnesota als Onlinehilfesystem für die dort ansässige Computerabteilung. Sehr schnell verbreitete sich Gopher auf dem gesamten Campus als Informationssystem und wurde nach und nach an immer mehr Universitäten genutzt, aber auch von vielen Firmen. Die Verbreitung von Gopher verlief parallel zur Entwicklung des World Wide Web, das war aber nicht primär der Auslöser für das abrupte Ende von Gopher.

Anfang 1993 beschloss die University of Minnesota, für die Nutzung von Gopher von bestimmten Nutzergruppen Lizenzgebühren zu verlangen. Gopher-Browser sollten generell kostenlos bleiben, ebenso die Serversoftware für nichtkommerzielle Zwecke. Firmen sollten jedoch eine jährliche Gebühr für die Nutzung der Gopher-Software bezahlen.

Dieses Ansinnen der University of Minnesota war ein Prellblock für die weitere Gopher-Entwicklung, denn mit dieser Ankündigung stoppten viele Unternehmen ihre eigenen Gopher-Entwicklungen und beobachteten stattdessen die Entwicklung des World Wide Web. Dort gab es seit April 1993 durch die offizielle Zusicherung des CERN auf eine unbeschränkte und kostenlose Verwendung der WWW-Technologie eine entsprechende Zukunftssicherheit.

Für den Begriff "Gopher" gibt es mehrere Herkunftserklärungen: Die plausibelste Erklärung leitet sich aus dem Beinamen des US-Bundesstaates Minnesota ab, der "The Gopher State" lautet. "Gopher" ist der englische Begriff für die Tierart der Beutelratte, die besonders in Minnesota weit verbreitet ist. Eine andere Erklärung leitet den Namen aus dem landläufigen Begriff ab, mit dem im angelsächsischen Bereich Botenjungen bezeichnet werden: Gofer. Wiederum eine andere Definition bezieht sich auf das Motto "Go for information", der Aufforderung zur Suche nach Information.

Technisches

Gopher bietet die Navigation durch einen Datenbestand auf einem Gopher-Server durch eine baumartige Struktur, wie sie von einer baumartigen Dateiverwaltung vieler Betriebssysteme bekannt ist. Diese Baumstruktur auf einem Gopher-Server nennt man Gopherspace.

Innerhalb dieser Baumstruktur gibt es entweder weitere Verzeichnisse oder Dateien. Wird ein Verzeichnis aufgerufen, bedeutet dies ein Sprung in den jeweiligen Ast des Baumes, der nicht nur hierarchisch sein kann, sondern auch durch einen Link zu einer völlig anderen Stelle des Baumes führen kann. Wird eine Datei angewählt, ist dies ein Dateiaufruf und die gewünschte Datei wird heruntergeladen und angezeigt.

Im Gegensatz zu Hypertext sind Dokumente im Gopherspace nicht interaktiv, sondern in sich geschlossen, können also beispielsweise keine multi- oder hypermedialen Fähigkeiten besitzen, die das Einbinden von Grafiken oder Hyperlinks zu anderen Dokumenten ermöglichen.

Benutzung

Für Gopher gab es anfänglich spezielle grafische Gopher-Clients, mit denen intuitiv auf einem Gopher-Server navigiert werden konnte. Da der Inhalt auf Gopher-Servern in der Regel aus Textdokumenten und Grafikdateien bestand, waren die technischen Anforderungen an solche Clients nicht sehr hoch.

Als Suchmaschine für Gopher wurde recht bald nach dem Aufkommen der ersten Gopher-Server Veronica entwickelt. Veronica durchsuchte Gopher-Server mit einem Spider und bot die Möglichkeit der Stichwortsuche über alle in ihrer Datenbank indizierten Dokumententitel. Damit war die einfache und schnelle Suche über den Gopherspace möglich.

Mit dem Aufkommen von Webbrowsern, die Gopher ebenfalls beherrschten, schwand die Notwendigkeit für eigenständige Gopher-Clients. Ursprünglich beherrschten fast alle Webbrowser Gopher, in der neueren Vergangenheit wird jedoch Gopher bei neuen Versionen von Webbrowsern oftmals nicht mehr berücksichtigt.

Ebenso sinkt die Zahl der öffentlich erreichbaren Gopher-Server im Internet stetig; einzig universitäre Einrichtungen setzen bei reinen Informationssystemen immer wieder noch auf Gopher-Systeme, doch auch hier wird die Zahl immer weniger.

Gopher im Beispiel

Gopher-Server sind für Anschauungszwecke leider kaum noch "auf freier Wildbahn" im Internet zu finden. Am Rechenzentrum der Technischen Universität Berlin läuft bereits seit 1993 folgender Gopher-Server, dessen Verweise jedoch teilweise hoffnungslos veraltet sind, da die verlinkten Server größtenteils bereits abgeschaltet wurden. Behandeln Sie diesen Server deshalb bitte sorgsam, es könnte der letzte sein. :-)

gopher://gopher.cs.tu-berlin.de/

Dieser Hyperlink wird nur funktionieren, wenn Sie entweder einen Gopher-Client besitzen und die Protokollaufrufe für "gopher:" dorthin umgeleitet werden oder wenn Ihr Webbrowser das Gopher-Protokoll unterstützt. Neue Versionen des Internet Explorer tun dies beispielsweise nicht mehr. Erfolgreich getestet wurde der Zugang mit Netscape 7, Mozilla und Firefox.

Wichtiger Hinweis: Bei einer Verbindung zum obigen Server nutzen Sie öffentlich verfügbare Ressourcen der Technischen Universität Berlin. Seien Sie sich bitte im klaren darüber, dass eine missbräuchliche Nutzung des Dienstes ggf. strafrechtliche Folgen für Sie haben kann.

Weiterführende Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Gopher
Wikipedia-Artikel zu Gopher

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