Hacker - Subkultur der Computerwelt

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Die Hacker-Szene erscheint von außen recht düster und ist überladen mit mystischem, ja teilweise sogar romantisch-verklärtem "Charme" von Bildern mit jugendlichen, hochintelligenten Computerfreaks, die auf pickeligen, käseweißen Gesichtern einige Nummern zu große Brillengestelle tragen und tagelang vor ihren Computern sitzen. Verabschieden Sie sich am besten schnell von diesen Vorstellungen, den Hacker werden Sie nicht so einfach erkennen.

Definition des Hackers

Hacker zeichnen sich in der Regel durch eine hohe Technikbegeisterung und einer großen Neugier aus. Dabei beschränkt sich diese Neugier nicht unbedingt auf kommerzielle Interessen, sondern meistens ist es der Wunsch des Verstehens von bestimmten Programmierproblemen. Während früher das ausgediente Radiogerät für solchen Wissensdurst herhalten musste, sind es heute Computer und Computerprogramme.

Der Begriff "Hacker" leitet sich vom englischen Verb "to hack" ab, was so viel bedeutet wie "zerhacken, einhauen, kaputtmachen". Gemeint ist damit ursprünglich die Arbeitsweise eines Hackers, der ein Programm nicht unbedingt von der angedachten Seite betrachtet, sondern es auf andere Weisen auf Herz und Nieren testet.

Hacker ist nicht gleich Hacker

Nur von außen gesehen erscheint die Hackerszene einigermaßen homogen als "feindliche" Truppe, die augenscheinlich die Computerwelt bedroht. In Wirklichkeit jedoch lassen sich Hacker in vier große Gruppen unterscheiden, die jeweils ein völlig eigenständiges Verständnis über ihre Hackziele haben:

  • Hacker
    Der "richtige" Hacker ist grundsätzlich nicht daran interessiert, Systeme zu beschädigen oder zu zerstören, sondern ist eher interessiert an den Abläufen und Fehlern, die Sicherheitslöcher und Systemschwächen erzeugen. Tatsächlich ist es so, dass viele potentielle Sicherheitslöcher durch leidenschaftliche Hacker gefunden und dokumentiert werden. Hacker sind demnach oftmals daran beteiligt, Systeme durch ihre Kenntnisse besser zu machen.
  • Cracker
    Cracker gehören zu einer Gruppe von Programmierern, die sich vor allem darauf spezialisiert haben, Kopierschutzmechanismen von kommerziellen Computerprogrammen zu knacken und diese so geknackten Programme der Allgemeinheit oder der eigenen Crackergruppe zur Verfügung zu stellen. Solche Crackergruppen schmücken sich meist mit futuristischen Namen und haben untereinander einen regelrechten Wettbewerb um das beste Softwareangebot. Aufgrund der Illegalität ihres Tun arbeiten die meisten Cracker im Untergrund und treten in den seltensten Fällen mit ihren realen Namen in Erscheinung.
  • Crasher
    Crasher legen ihren Schwerpunkt vor allem darauf, fremde Computersysteme mutwillig zum Absturz zu bringen und sie außer Betrieb zu setzen ("to crash" = zerstören). Sie glänzen meist durch eine sehr geringe Fachkenntnis und nutzen oft einschlägig bekannte Tools für ihre Aktivitäten. Dieses "unethische" Verhalten macht sie auch in der Hackerszene selbst sehr unbeliebt.
  • Scriptkiddies
    Scriptkiddies gehören zu einer relativ neuen Gruppe von Hackern. Sie zeichnen sich in der Regel durch ein völlig mangelhaftes Wissen über die technischen Grundlagen aus und nutzen bereits bekannte Sicherheitslöcher aus, um mit meist auch schon bekannten Exploits (Demonstrationsprogramme, die explizit bestimmte Sicherheitslöcher ausnutzen) das Internet unsicher zu machen. Im Gegensatz zu Hackern haben sie in der Regel, dank ihres fehlenden technischen Wissens, keinerlei Ambitionen, Technik zu verstehen und Sicherheitsprobleme zu dokumentieren, sondern suchen in ihrer Tätigkeit den "Kick", etwas besonderes zu sein und Dinge zu können, die andere nicht können. Besonders durch diesen Tatendrang sind Scriptkiddies extrem problematisch, da sie mit dem fehlenden Hintergrundwissen oftmals den entstehenden Schaden nicht überblicken, sich durch Unkenntnis allerdings oft auch selbst verraten.

Ist Hacken gut oder schlecht?

Hacker bewegen sich in einer Grauzone. Einerseits ist das Ausnutzen einer Sicherheitslücke und der eventuell darauf folgende Einbruch in ein Computersystem ein klares Delikt. Andererseits sorgen verantwortungsvolle Hacker mit Fehlerhinweisen an Hersteller oder Betreiber der betroffenen Computersysteme dafür, dass Sicherheitslücken bekannt werden und behoben werden können. Auch wenn es skurril klingt: "Richtige" Hacker (und in Teilen auch Cracker) machen mit ihrer Arbeit die Computerwelt tatsächlich ein Stück sicherer und nicht wenige bekannte und anerkannte Sicherheitsexperten starteten ihre Karriere mit Hacken.

Anders sieht es aus mit Crashern und Scriptkiddies. Diese Gruppierungen, die dank ihres übermutes in der Regel durch publikumswirksame "Auftritte" auffallen, beispielsweise in fremde Websites einbrechen und dort ihre Handschrift hinterlassen (so genannte "Defacements"), sind meist gar nicht daran interessiert, dass Sicherheitslöcher, die sie ausnutzen, behoben werden.

Natürlich sind Sicherheitslöcher für keinen Hersteller von Soft- oder Hardware ein besonders angenehmes Thema. Dennoch gehört zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesem durchaus menschlichen Charakter, dass Fehler nun mal entstehen können, auch die Akzeptanz, dass Sicherheitslöcher zu einem großen Teil von Hackern entdeckt und dokumentiert werden.

Hacker-Organisationen

In ursprünglichen Traditionen bilden einzelne Hacker kleine, meist in sich verschwiegene Gruppen mit gleichen Interessen. Das ist als übergreifendes Thema sehr häufig logischerweise das Thema Computer, aber viele frühe Hacker-Gruppen bildeten sich aus gänzlich anderen Themen heraus. Beispielsweise entstand einer der frühesten Hacker-Gruppen am Massachussetts Institute for Technology (MIT) aus der universitätseigenen Modelleisenbahngruppe heraus.

Hacker-Gruppen stehen untereinander oftmals in einem freundschaftlichen, aber dennoch professionellen Wettstreit, je nachdem, in welchen Themenfeldern sich die Gruppen betätigen. So gibt es in der so genannten Demo-Szene eine inzwischne jahrzehntelange Tradition, dass sich Hacker-Gruppen mit immer neuen Superlativen bei der Programmierung von Demos (eine Art von interaktiven Filmen, die mehr oder weniger elektronisch in Echtzeit generiert werden). Ihre Ursprünge haben solche Aktivitäten oft im Vertreiben von Computerspielen, da hier lange Jahre das Knacken eines Kopierschutzes als Trophäe angesehen wurde. Entsprechend geknackte Spiele wurden von der jeweiligen Hacker-Gruppe dann mit einem hauseigenen Demo versehen.

Die "Hacker-Gemeinde" zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es keine homogene Personengruppe ist und es zwar Hacker-Organisationen und entsprechende Vereine gibt, die jedoch keinesfalls den Anspruch haben, für die "Hacker-Gemeinde" in ihrer Gesamtheit zu sprechen. Jegliche Behauptungen von Einzelnen oder Gemeinschaften in diese Richtung werden von Experten üblicherweise - zu Recht - sehr skeptisch gesehen.

Neben inzwischen traditionsreichen Vereinen wie dem deutschne Chaos Computer Club, der sich selbst auch als eine Hacker-Interessensgruppe versteht, gibt es im Internet auch so Phänomene wie die Anonymous-Bewegung. Diese inhomogene Gruppe sieht sich in ihrer Organisationsform als Kollektiv ohne zentrale Interessensvertretungen oder Hauptquartier. Jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann sich im Prinzip als ein Teil der Anonymous-Bewegung sehen, ob nun mit guten oder schlechten Absichten oder letztlich auch nur zum Aufschneiden. Das Kollektiv selbst sieht sich durch seine Aktivitäten und die dadurch ausgelösten Reaktionen bestätigt, nicht durch ihre physische Präsenz als Personengruppe. Eine große Rolle spielt hierbei auch die (durchaus differenziert zu betrachtende) "Hacker-Ehre" und die Hackerethik (siehe hierzu auch Computerethik) als Basis für "gutes" und "ehrenhaftes" Hacken.

Hacken lernen

Um gleich einen Mythos aus der Welt zu räumen: Hacken ist keine Angelegenheit, für die es offizielle Handbücher gibt und mit denen man das Handwerk von A bis Z lernen könnte. Fallen Sie deshalb nicht auf teure Bücher oder kostenpflichtige Websites herein, die Ihnen weismachen wollen, genau dies bewerkstelligen zu können. Kein Laie würde sich beispielsweise auch ein Buch kaufen, in dem das Reparieren von Fernsehern für Nichttechniker erklärt wird, weil zum Reparieren eines Fernsehers nicht einfach nur die Lektüre eines Buches genügt, sondern jahrelange Erfahrung vonnöten ist.

Hacken ist eine Beschäftigung, die weit mehr erfordert, als nur die gelegentliche Muße, sich mit seinem Computer zu beschäftigen. Wenn Sie den Biss, die Zeit und die Nerven haben, sich mit einem Computer oder einem Programm bis in alle Einzelheiten genau zu beschäftigen, um den Sinn und die Wirkungsweise zu verstehen, sind die auf dem richtigen Weg. Wenn Sie dann auch noch in der Lage sind, vorhandene Probleme zu erkennen und Lösungswege nachzeichnen zu können, und sei dies auch erst einmal durch die Darstellung des Problems durch lauffähige Beispiele, kommen Sie der Tätigkeit eines Hackers sehr nahe. Wenn Sie dann noch an diesem Hobby fast schon unheimlichen Spaß empfinden, sich darüber hinwegsetzen können, dass Ihr Bekanntenkreis Sie für computersüchtig hält, Sie kryptische Diskussionen und Kurzanleitungen mit Programmabläufen für Unterhaltungslektüre halten und Sie problemlos stundenlange computerspezifische Diskussionen führen können, sind Sie ein potentieller Kandidat.

Im Internet finden sich eine Unmenge von einschlägigen Foren und Gruppen, die sich mehr oder weniger ernsthaft mit dem Hacken beschäftigen. Eine gute und vertrauenswürdige Anlaufstelle ist hier sicherlich auch der bereits erwähnte Chaos Computer Club, der eine Reihe von seriöseren Hacker-Gruppen in eigenen Medien und Veranstaltungen miteinander vernetzt.

Weiterführende Literatur

Buchempfehlungen zum Thema Sicherheit im Internet

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Weiterführende Links

http://www.ccc.de/hackerethics
Hackerethik (auf den Seiten des Chaos Computer Clubs)

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